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Cyriaksburg, egapark Erfurt

Christian Hill, F: Christian Hill

Gartenreisen – „Grün, grün, grün ist alles was ich hab.“

„Darum lieb ich alles, was so grün ist […]“ – Die Zeilen des alten Volksliedes stimmen fröhlich auf das Thema ein. Eine spannende Grünpflanze ist der Ginkgo und faszinierte als „lebendes Fossil“ bereits Goethe. Folgen wir dem Mythos in der Impulsregion durch Raum und Zeit und öffnen dabei so manch Geheimnis und Gartentor.

Jenaer Wurzeln

Im Botanischen Garten Jena, gegründet 1586, schmiegt sich solch ein Riese an den Zaun des unter Denkmalschutz stehenden Ensembles von 4,5 Hektar. Die vielgestaltigen Frei- und Gewächshausanlagen versammeln etwa 10.000 Pflanzenarten aus aller Welt. Geheimrat Goethe hat den akademischen Lehrgarten eine Zeit lang geprägt und soll diesen Ginkgo um 1800 mit gepflanzt haben. Das männliche Exemplar wuchs im Schutz des historischen Inspektorenhauses zu einem stattlichen Baum heran und erhielt einen weiblichen Ast aufgepfropft. Beeindruckend ist der Baum, wenn er sich in sein goldgelbes Herbstkleid hüllt und Früchte trägt. Aus einem dieser Samen stammt jenes Pflänzchen – mittlerweile vier Jahre alt – welches nun auf Gartenreise geht, auf der Suche nach seiner endgültigen Heimaterde. Den Setzling unterm Arm, laufen wir zum benachbarten Griesbachschen Garten und entdecken weitere Ginkgo-Bäume. Ehemalige Studenten haben diese in Erinnerung an ihre Studienzeit gepflanzt. Vom frisch restaurierten Gartenhaus Professor Johann Jakob Griesbachs, der sogar auf Vermittlung Schillers Obstbäume für dieses Refugium bekam, genießt man den Blick auf die Stadt und die fernen Jenaer Höhen. Gleich nebenan grüßt der nach historischem Vorbild rekonstruierte Pappelsaal.

Vorbei am Goethe-Denkmal (1821), Ziergehölzen und Blumenbeeten winden sich die Pfade des frühen Landschaftsparks hinauf zum nächsten Ziel, dem altehrwürdigen Johannisfriedhof, erstmals urkundlich 1307 erwähnt. In dem zwei Hektar großen parkartigen Areal geben sich alle Nuancen von Grün auf Rasenflächen, romantischen Efeugeflechten und alten Bäumen ein Stelldichein. Faszinierend ist das Spiel der Sonne mit geheimnisvollen Schatten zwischen alten Grabstätten und Gemäuern. Primeln, Wildtulpen oder Rosenstöcke schmücken die Gräber von Persönlichkeiten der Stadtgeschichte. Hier die Ruhestätte von Carl Zeiss, dort das Grab Griesbachs und an der Mauer das Erbbegräbnis der Buchhändlerdynastie Frommann. Goethe ging dort ein und aus, schätzte Gespräche und Kochtopf von Johanna Frommann und tauschte mit ihr Sämereien aus. Auf dem Weg zum „botanisierenden Dichterfürsten“ genießen wir noch zwei weitere verträumte Orte.

Landwege

In Hohlstedt versteckt sich der Eulensteinsche Dreiseithof aus dem 16. Jahrhundert mit seinem wundervollen Bauerngarten. Die strenge Geometrie der Heckenfassungen ist an alten Klostergärten orientiert. Im Wegekreuz konkurriert ein herrlicher Rosenstock mit der Pracht bunter Beetviertel. Die drei fleißigen Vereinsgärtnerinnen variieren das Pflanzgefüge jährlich nach Lust und Laune. Eine alte Steinbank, über der eine große Holzeule wacht, lädt zum Verweilen im dörflichen Ambiente ein. Apropos Holz: Im ehemaligen Rittergut Holzdorf geht es indessen herrschaftlicher zu. Der frühere Besitzer, Dr. Otto Krebs, ließ die Anlage in den 1920er Jahren aufwändig umgestalten. Romantische Wege, ein ziegelgefasstes Seerosenbecken oder arrangierte Gartenzimmer träumen einen Dornröschenschlaf, ab und zu nur durch Kinderlachen aus dem Evangelischen Waldkindergarten geweckt. Das bedeutende Gartendenkmal beherbergte einst auch herausragende Kunst von Degas über Rodin bis hin zu Meunier, die leider in der wechselvollen Geschichte des Ortes verloren ging. Von hier sind es kaum 15 Auto- oder Bahnminuten bis Weimar.

Weimarer Klassiker

Er gehört nicht unbedingt zu den typischen Touristenorten in Weimar und ist daher ein Geheimtipp. Der bürgerliche Ziergarten des Kirms-Krackow-Hauses strahlt noch immer den Charme des 19. Jahrhunderts aus. Einst Mittelpunkt bürgerlicher Geselligkeit, stand die Gartentür zahlreichen Geistesgrößen offen. Der dänische Märchendichter Andersen war gern gesehener Gast und lobte in seinem Tagebuch: „Hier ist ein herrlicher Blumengarten!“ Ein Glücksfall waren die archäologischen Grabungen, die den Verlauf der Wege rekonstruierten und heute wieder auf den Mittelpunkt der Anlage, das barocke Gartenhaus zulaufen. Der Besitzer Franz Kirms teilte mit vielen seiner Zeitgenossen den Enthusiasmus für Pflanzenstudien und war als Nelkenzüchter hochgeschätzt. Selbst der Großherzog unterwies seinen Hofgärtner Sckell zur Pflanzenspende: „Wenn es bei uns nicht gedeiht, kommt es vielleicht bei Kirms fort.“ Ohnehin war der Landesherr Carl August von Sachsen-Weimar ein Liebhaber der Botanik und daher Mitglied der renommierten britischen Royal Horticultural Society. Daher schickte er Sckell nach England und unterstützte nach dessen Rückkehr erste Vermehrungsversuche des Ginkgos in der Orangerie Belvedere. Um 1800 konnte man dort Jungbäume für einen Taler erwerben. Die Gärtnerdynastie Sckell war es auch, die um 1815 ein Exemplar am Fürstenhaus pflanzte. Er ist heute das Älteste in Weimar. Sucht man Ginkgobäume, wird man im Gartenkosmos Weimar oft fündig. Sei es der 1979 gepflanzte in Goethes Hausgarten am Frauenplan, der über Hundertjährige am Goethe- und Schiller-Archiv, im Park an der Ilm oder der Doppelbaum von Tiefurt. Bei einem Weimar-Besuch lohnt es sich, einen Blick in das Ginkgo-Museum zu werfen. Direkt am Marktplatz gelegen, zog es sogar die Neugier arabischer Scheichs auf sich. Durch attraktive Neuzüchtungen, Kosmetik oder Souvenirs kann man sich die Welt des Ginkgos gleich mit nach Hause nehmen.

Welt- und Blumenstadt Erfurt

Die Landeshauptstadt Erfurt schmückt sich mit dem Titel „Blumen- und Gartenstadt“. Und er steht ihr gut! Ganz klar, wo eine Puffbohne zum Maskottchen aufrückt, die Waidpflanze im Mittelalter zu Wohlstand verhalf und im 19. Jahrhundert der Erwerbsgartenbau für Weltgeltung sorgte, da ist das Gärtnern Tradition und Passion zugleich. Das größte grüne und auch bunte Aushängeschild ist das egapark-Gelände. Betreten wir das Areal mit unserem Ginkgo im Arm und halten uns gleich links, auch wenn wir dabei die vielen anderen Attraktionen rechts liegen lassen müssen. Der Weg führt uns als erstes an einem Projekt der Bundesgartenschau 2021 vorbei. Das Kinderparadies mit Erdbeerkaktusrutsche und Bohnenbahn, um nur zwei der attraktiven Spieleneuheiten zu nennen, erfreut die kleinen Gärtnerherzen. Kurz danach folgen zwei Ginkgobäume, die sich noch jung, aber keck gen Himmel recken, bevor sich die fernöstlichen Welten des Japanischen Gartens öffnen. Das Fels- und Wasserreich mitsamt seinen Brücken lädt zum kontemplativen Rundgang ein. Einen ganz eigenen Reiz bietet die Kombination aus natürlichen und künstlerischen Elementen. Die japanische Gartenkultur hatte auch den deutschen Arzt Engelbert Kaempfer fasziniert, als er ab 1690 auf einer Insel vor Nagasaki im Auftrag der holländischen Vereinigten Ost-Indien-Gesellschaft weilte. In seinem Reisegepäck schmuggelte er Ginkgosamen nach Europa und entfachte das Interesse für das exotische Gewächs. Das jährliche bunte Treiben beim Japanischen Gartenfest im egapark hätte ihm bestimmt gefallen. In eine ganz eigene Gartenwelt lässt es sich mit „WirGarten Erfurt“ oder der „Lagune“ – zwei urbanen Gärtnergemeinschaften – eintauchen. Grün für jedermann! Aus dem Dschungel der Großstadt mitten hinein in die Oase, die vorher vielleicht noch städtische Brachfläche war. Die „Lagune“ ist aber auch eine Lerngemeinschaft: Kinder und Erwachsene kümmern sich gemeinsam um ihr Obst und Gemüse, lernen, dass es manchmal Geduld und Zeit braucht, lernen von- und miteinander und manchmal auch aus Misserfolgen. Doch der Erfolg ihres Projektes gibt ihnen Recht. Bei Gartenfesten, Konzerten und Treffen stehen stets auch für Gäste die Gartentore offen.

Blütezeit Apolda

Wenn am 29. April für Einheimische und Gäste die 4. Thüringer Landesgartenschau in Apolda ihre Pforten öffnet, beginnt für knapp 150 Tage ein bunter Reigen aus Hunderten von Veranstaltungen für Kultur- und Gartenfreunde. Vom Bahnhof bis hin zur historischen Herressener Promenade (15 Hektar) gibt es dann Pflanzen in Hülle und Fülle. Es ist kein Zufall, dass die vier Jahresthemen der KulturImpulse 2017 genau hier kulminieren.

1. Grün

Interessante Schaugärten, imposante Blumenschauhallen oder der Wechselflor auf einer Fläche von 2.500 m² laden zum Wiederkommen ein.

2. Blau

Die Wasserfläche des Lohteiches mit großer Fontäne wird zum Gondelteich und der naturnahe Friedensteich mit Passerelle und Seerosenbalkon verführt zum Flanieren.

3. Rot-Weiß

Der Lutherweg führt mitten hindurch! Ein guter Ort, um Rast einzulegen, neben Luther Platz zu nehmen oder vielleicht Gebet und Andacht in „Gottes Gartenhaus“ am idyllischen Friedensteich zu halten.

4. Kunterbunt

Für große und kleine Kinder gibt es zwei tolle Spielplätze mit einer besonderen Apfelblüte, lustigem Stangenwirbel im Zeichen der Stadtfarben oder diverse Kletter­möglich­keiten. Und nach Spiel und Spaß gibt es Lernimpulse im „Grünen Klassenzimmer“.

Genau der richtige Platz, um unserem Ginkgo mit historischen Wurzeln eine Zukunft zu geben, zumal eine Baumspende in der Nähe des Friedensteiches bereits seit 1993 Wurzeln schlägt. Übrigens: Ein Kuratorium wählte den Ginkgo zum Baum des Jahrtausends. In der Begründung heißt es: „Seine unglaubliche Vergangenheit und seine brillanten Chancen für die Zukunft lassen den Ginkgo für unsere heutige Welt zu einem großen Symbol werden: das Symbol für einen Weltenbaum, das Symbol für Stärke und Hoffnung.“ – Mögen der Ginkgo und Apolda wachsen und gedeihen!

Ginkgo biloba

Dieses Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie‘s den Wissenden erbaut.
Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als eines kennt?
Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn.
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich eins und doppelt bin?

Johann Wolfgang von Goethe (1815)



Goethe-Gedenkstätte im Botanischen Garten, Jena

JenaKultur, F: A. Hub

Eulensteinscher Hof, Hohlstedt

Christian Hill, F: Christian Hill

Orangerie Schloss Belvedere, Weimar

weimar GmbH, F: Maik Schuck Foto: Maik Schuck

egapark Erfurt

Erfurt Tourismus und Marketing GmbH, F: Barbara Neumann

egapark Erfurt

Erfurt Tourismus und Marketing GmbH, F: Barbara Neumann

Landesgartenschau Apolda

Landesgartenschau Apolda 2017 GmbH, F: Nancy Hampel

Wissen to go

Baumriese

Der älteste Ginkgo soll etwa 4.000 Jahre alt sein. Er steht in der chinesischen Provinz Guizhou, strebt 50 Meter in die Höhe und breitet sich mit einer Baumkrone von 2.000 Quadratmetern aus.

Namensliste

Phantasievoll sind die verschiedenen Bezeichnungen für das lebende Fossil: Silber­aprikose, Großvater-Enkel-Baum oder Entenfuß.

Tauschobjekt

Im alten China galten Laub und Samen als so wertvoll, dass diese sogar als Zahlungsmittel verwendet wurden.

Zwischenstück

Die Struktur der Blätter mit ihren verwachsenen Blattrippen stellen das Bindeglied zwischen Laub- und Nadelbaum dar.

Übersetzungsfehler

Wahrscheinlich durch ein Versehen wurde aus dem japanischen Ginkyo (gin = Silber / kyo = Aprikose) Ginkgo. Eine nachträgliche Korrektur ist nach den festen Regeln der botanischen Nomenklatur allerdings nicht möglich.

Grüne Extra-Tipps

Jena

Jena Paradies – Kulturdenkmal und Teil der Parkanlage „Oberaue“ mit Liegewiese,Grillplatz und Freizeitsportanlage

Weimar

Orangerie Belvedere

Erfurt

Lichterfest auf der ega vom 11.–12. August 2017

Weimarer Land

Kurpark Bad Berka mit „Parkgeflüster“, einem einzigartigen Licht-Klang-Erlebnis
Mai–Oktober 2017

Aktuelle Veranstaltungen
OPERN BALL Jena 2017

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