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Ehemaliges Franziskanerkloster, Weimar

Christian Hill, F: Christian Hill

Reformbewegung – Weiß-Rot blüht die Lutherrose

Luther bewegt – seit 500 Jahren! Leidenschaftlich kämpfte der deutsche Reformator für den Glauben und wird im Jubiläumsjahr 2017 dafür weltweit gefeiert. Aber was sagt uns Luther heute? Nehmen wir den Rucksack, packen vier seiner Sinnsprüche hinein und machen uns in der Impulsregion auf die Suche.

Erfurt – Geburtsort der Reformation

In Thüringen hat die Reformation zahlreiche Spuren hinterlassen. Der mit einem grünen „L“ auf weißem Grund markierte Lutherweg führt direkt dorthin und immer wieder mitten in die Biographie Luthers hinein. Die Landeshauptstadt Erfurt hat viele authentische Orte zu bieten, verbrachte er doch als eifriger Student und frommer Augustinermönch hier zehn prägende Jahre. Entlang der „Luthermeile“ befinden sich die wichtigsten Stationen seiner Erfurter Zeit. Großes hatte der Vater vor, als er den Sohn 1501 zum Studium der Rechtswissenschaften an die berühmte Hochschule schickte. Anlaufpunkt seiner Studienjahre bis 1505 war das heute vorzüglich sanierte Universitätshauptgebäude – das Collegium maius. Zur Unterkunft diente dem Studiosus die Georgenburse. In den Grundmauern authentisch, aber in Jahrhunderten überformt, lädt sie heute als ökumenische Herberge Pilger und Wanderer ein. Sozusagen einen Blitzschlag entfernt, befindet sich ganz in der Nähe das Eremitenkloster der Augustinermönche.

Blitzgescheite Idee

Bei Stotternheim soll Luther am 2. Juli 1505 von einem furchtbaren Gewitter in eine Ackerfurche gezwungen worden sein. In seiner Todesangst schwor er, ins Kloster zu gehen, sollte er das Inferno überleben. Kaum 15 Tage später löste er den Schwur ein und stand vor der Klosterpforte. Der wichtigste Schritt zur Reformation war getan. – „Der Glaube ist der Anfang aller guten Werke!“ – Mit seiner Klosterlaufbahn verbunden, ist auch der Dom. Bis heute stellt das Wahrzeichen der Stadt eine feste Größe für Pilger und Gläubige aus aller Welt dar. Hier erhielt der tiefgläubige Luther 1507 seine Priesterweihe. Unser letzter Besuch in Erfurt gilt dem Lutherdenkmal am Anger, das am 31. Oktober 1889 enthüllt wurde. Die Einwohner blickten nicht nur mit Stolz zu ihrem Reformator empor, sondern erkannten auch den feinen Humor darin: den Rücken zur evangelischen Kaufmannskirche gekehrt, schaut er unverwandt zum katholischen Ursulinenkloster hinüber. Eine der Reliefplatten am Postament zeigt bereits die nächste Station am Lutherweg. Freundschaftlich reicht darauf der Rektor der Universität Luther die Hand. Die Szene weist auf den schweren Gang nach Worms 1521 hin, als die Studenten an die Stadtgrenzen nach Nohra geeilt waren, um den zum Kämpfen Entschlossenen jubelnd zu empfangen.

Weimarer Land – Begegnungen um die Ecke

Der kleine Ort Nohra ist sich dieser historischen Begegnung bewusst, zeigt sie stolz auf einem Wandbild und trägt die Lutherrose im Wappen. Die 1.650-Seelen-Gemeinde gedenkt 2017 mit einem Reigen von Veranstaltungen ihrer urkundlichen Ersterwähnung vor 800 Jahren. Bei Vielen gilt der Lutherweg bei Nohra als schönste Verbindung zwischen Erfurt und Weimar. Im Frühjahr belebt er mit seiner Streuobstwiesenblüte die Gemüter und zu jeder Jahreszeit mit herrlichen Ausblicken in die dörflich geprägte Natur. Zurecht hat sich die „Arche Nohra“ gegründet, die als Interessengemeinschaft die sie umgebende Landschaft bewahren und gestalten möchte. Eine Weisheit Luthers begleitet die Wanderung nach Weimar hinüber: „Es gibt keinen Weg zum Frieden, wenn nicht der Weg schon Frieden ist.“

Weimar – Schatzkammer der Bilder

Der erste Besuch sollte dem Stadtschloss mit seiner berühmten Cranach-Galerie gelten. Die Bilder dieser begnadeten Künstlerfamilie sind heute das visuelle Vermächtnis der Reformation. In Weimar trifft man mehrfach auf Luther und kann dem Menschen und Visionär von Angesicht zu Angesicht gegenüber treten. Außerhalb der Galerie hat die Malerdynastie in der spätgotischen Stadtkirche St. Peter und Paul ein Meisterstück hinterlassen, den 1555 vollendeten Flügelaltar. Imposante sechs Meter in der Breite und gut vier Meter in der Höhe zeigen Luther und Cranach den Älteren in Frömmigkeit vereint.

Weimar – Schatzkammer der Bücher

Dramatisch waren die Rettungsarbeiten, als 2004 die Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Flammen aufging. Zahlreiche Feuerwehrleute und frei­willige Helfer kämpften um die wertvollen Bestände. Buchstäblich in höchster Not wurde die Bibelsammlung mit ihrer wertvollen Lutherbibel von 1534 gerettet. Nicht zuletzt dank der überragenden Spendenbereitschaft konnte das aufwändig res­taurierte Gebäude drei Jahre später eine glanzvolle Wiedereröffnung feiern. Luther versöhnt: „Man soll bauen, als wollt man ewig leben, und also leben, als sollt man morgen sterben.“ Ein weiterer wichtiger Baustein der Stadt- und Reformationsgeschichte ist die historisch-kritische Weimarer Ausgabe. Seit 1883 ediert, versammelt die „Weimarana“ Luthers Schriften, die erst hundert Jahre später vielbändig abgeschlossen wurde. Sie gehört zu den bedeutendsten Leistungen der deutschen Philologie und wurde selbst während der deutsch-deutschen Teilung als gemeinsames Projekt fortgeführt. Eine Stippvisite in der Klassikerstadt gönnen wir uns noch. Denn im alten Franziskanerkloster am Palais hat Luther mehrfach Quartier genommen. Eine Gedenktafel erinnert daran. Und wer zur rechten Zeit vor dem geschichtsträchtigen Gebäude steht, hört zwar nicht die Englein singen, aber die Studenten der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar himmlisch musizieren.

Apolda – Kirchenmusik für Herz und Ohren

Luther lag die Musik am Herzen, wie sein reges Liedschaffen und das vom antiken Kirchenvater Augustinus übernommene Motto: „Wer singt, betet doppelt!“ unterstreichen. Seine Choräle sind beständige Säulen der evangelischen Kirchenmusik. Im Weimarer Land gibt es 160 Stadt- und Dorfkirchen, wovon einige mit besonderen musikalischen Programmen alljährlich zum Klingen gebracht werden. Grandios wird das Eröffnungskonzert 2017, wenn „RELIQUIAE“ – eine Mittelalter-Rockband aus Osnabrück – sich und der Apoldaer Lutherkirche die Ehre gibt. Und die Impulsregion reicht sich die Hand, wenn der Vokal­kreis und das Kammerorchester Apolda unter Leitung von Kantor Mike Nych „Geistliche Chormusik“ von Schütz oder Brahms in der AdventGemeinde Jena darbieten. Bevor wir der Städtekette weiter folgen, machen wir noch einen Abstecher in das benachbarte Niederroßla. Der Ort mit seiner imposanten Wasserburg beherbergt neben seiner schönen, barocken Kirche noch ein weiteres Kleinod: den Grabstein von Luthers Nichte Margarethe Mackenrot. Ein Besuch lohnt.

Jena – Luther druckfrisch

Sie hat sich – Gott sei Dank! – bis heute erhalten: die steinerne Kanzel in der Jenaer Stadtkirche St. Michael, von der Luther gegen den tobenden Bauernkrieg predigte. Gleich gegenüber an der Nordwand überrascht eine bronzene Grabplatte, die Luther fast in Lebensgröße zeigt. Die Jenaer dürfen das Original präsentieren, da es durch die Schmalkaldischen Kriegswirren und den Wittenberger Verlust an der Saale verblieb. Übrigens, die Vorlage geht auf die Cranach-Werkstatt zurück und das Holzmodell für den Bronzeguss wird in der Erfurter Andreaskirche präsentiert. Und noch einen weiteren Schatz hüten die Jenaer gut. Unweit der Stadtkirche bewahrt die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek einen reichen Fundus aus Quellen, Urkunden und Drucken zur Reformationsgeschichte auf. Darunter Kostbarkeiten, wie Luthers Handexemplare des Alten und Neuen Testaments oder die Mitschriften des Weggefährten Georg Rörer. Noch nicht genug? Ein wahres Highlight eröffnet die Lichtstadt im Reformationsjahr 2017: den historischen Druckort der Jenaer Luther-Ausgabe. Im gotischen Gebäudeensemble aus Sakristei und Kapitelsaal des Karmelitenklosters – übrigens das einzig erhaltene bauliche Zeugnis des Ordens in Thüringen – werden den Besuchern archäologische Funde Reformationsgeschichte erzählen, darunter Drucklettern, Farbgefäße oder Buchschließen. In den säkularisierten Klosterräumen wurde nämlich nach dem Schmalkaldischen Krieg eine Druckerei eingerichtet, eigens um Luthers Lehre in der reinen Form zu erhalten. Die Jenaer Ausgabe brachte unkommentiert Luthers Schriften nur in Deutsch heraus. – Der Grundstein für das weitere theologische Luthertum!

Dreh- und Angelpunkt für Glauben und Lehre des großen Reformators war stets die Bibel. In einer Predigt zum Ostermontag zog er einmal den Vergleich: „Die Heilige Schrift ist ein Fluß, in dem ein Elefant schwimmen muß und ein Lamm gehen kann.“ Damit sollen die Gedanken und der weitere Weg zu Luther, im Geiste oder zu Fuß, freien Lauf bekommen. Seien Ihre Pfade gesegnet!

Wir wissen gar nicht, was wir Luthern und der Reformation im allgemeinen alles zu danken haben

Johann Wolfgang von Goethe



Augustinerkloster mit Haus der Versöhnung und Waidhaus - Ort der Einkehr

Augustinerkloster, F: Lutz Edelhoff

Kirchgarten in Nohra

Christian Hill, F: Christian Hill

Herderplatz, Weimar

weimar GmbH, F: Jens Hauspurg

Lutherrose im Kirchenfenster, Evangelisches Augustinerkloster zu Erfurt

Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie – TLDA, F: W. Streitberger

Lutherkirche Apolda

Weimarer Land Tourismus e.V., F: Katy Kasten-Wutzler

Der ca. 900 km lange Lutherweg führt auch durch Jenas Innenstadt

JenaKultur, F: A. Hub

Stadtkirche „St. Michael“, Jena

Jena-Kultur, F: J. Hohmuth| zeitort.de

Stadtkirche „St. Michael“, Jena

JenaKultur, F: A. Hub

Wissen to go

Bibeltreue

„Adam und Eva vor Rotkäppchen“, so titelte „Chrismon“ – die Zeitschrift der evangelischen Kirche – in ihrer Ausgabe 06/2016. Damit illustriert sie eine Umfrage, die besagt, dass die Bibel noch vor Grimms Märchen das häufigste Buch in den Regalen der Deutschen ist.

Wortakrobat

Luther hat viel für die deutsche Sprache getan und ist bis heute in aller Munde. Zu seinen bildhaften Wortschöpfungen gehören „Gewissensbisse“, „Richtschnur“ oder „Feuertaufe“.

Reliquienhandel

Splitter von den Holzsäulen aus dem Wittenberger Lutherhaus galten eine Zeit lang als Zaubermittel gegen Zahnschmerzen und wurden wie Wertobjekte gehandelt.

Wissenssprung

Zu den ersten Professoren der Jenaer Universität zählte im Wintersemester 1558 Luthers jüngster Sohn Paul. Als Mediziner beschäftigte er sich mit der chemischen Arzneiforschung und dozierte über Nierensteine.

Stammbaum

Derzeit gibt es etwa 2.800 Luther-Nachfahren, die ihre Linie direkt auf Luther oder seine Geschwister zurückführen.

Weiß-Rote Extra-Tipps

Erfurt

Kirchentag auf dem Weg vom 25.–28. Mai 2017 unter dem Thema „Licht auf Luther“ – mit Fest der Begegnung, „500 Thüringer Kuchen für Erfurt“

Weimarer Land

Ausstellung „Jesus Reloaded – Von Chagall bis Rauschenberg“ im Kunsthaus Apolda Avantgarde (druckgrafische Werke der Moderne und Postmoderne aus der einzigartigen Sammlung der „Stiftung für Christliche Kunst Lutherstadt Wittenberg“ vom 15. Januar–26. März 2017

Weimar/

Jena

Kirchentag auf dem Weg vom 25.–28. Mai 2017 mit Präsentation der Lutherbibel www.r2017.org

Aktuelle Veranstaltungen
OPERN BALL Jena 2017

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Florales zur Weihnachtszeit

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Erfurt