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Wasserwandern auf der Saale, Jena

JenaKultur, F: A. Hub

Wasserstraßen – Aktiv am blauen Band

Wasser ist ein wunderbares Element! Auf, im und am Wasser kann man das Leben aktiv genießen. Geistigen Ballast werfen wir einfach über Bord und freuen uns auf Neues! Wie wäre es mit einer Radtour an Gera, Ilm und Saale? Satteln wir den Drahtesel und packen die Badesachen ein. Ab nach draußen, und los geht's!

Erfurt – Im Zeichen des Rades

Wer ein Rad im Wappen führt, ist als Ausgangs­punkt unserer Reise bestens geeignet. Voller Tatendrang tauchen wir in die 1.275-jährige, doch junggebliebene, Landeshauptstadt ein. Der mittelalterliche Stadtkern, eines der größten Flächendenkmale Deutschlands, wird von der Gera als Wasser- und Lebensader durchströmt. Das Flüsschen hieß früher „Erfes“ – dunkles Wasser – und gab wohl der Stadt ihren Namen. Weithin bekannt ist die 120 Meter lange Krämerbrücke mit ihren liebevoll sanierten Fachwerkhäusern. Gleich dahinter der Einblick in die Mikwe. Das jüdische Ritualbad aus dem 12. Jahrhundert war vor zehn Jahren der Sensationsfund und ist, neben dem Erfurter Schatz oder der Alten Synagoge, ein Beleg des reichen jüdischen Erbes. Nordöstlich vom Andreasviertel liegt „Klein-Venedig“. Park und Wohngebiet sind von verschiedenen Wasserläufen mit romantischen Ufern, Inseln, Inselchen und Brücken durchzogen, die zu dem Namen verhalfen. Früher gab es hier viele Wassermühlen, die mit zum Titel „Stadt der Mühlen“ beitrugen. Bis zu 50 Gewerbemühlen wurden einst von den Wassern der Gera angetrieben. Heute zeugt die „Neue Mühle“ davon. Sie konnte am Tag bis zu sechs Tonnen Getreide mahlen und wurde bis 1982 betrieben. Ganz nah ans nasse Element bringt indessen der Gera-Radweg und noch näher die City-Kanutouren, Drachenbootfahrten oder die sportliche Herausforderung: Kanulympics. Am Erfurter Nordstrand können sich Sportler mit Wasserski- und Wakeboard-Anlage oder am Schwerborner See mit Jetskiing erproben. Tipp für Feinschmecker: Die Kresse aus frischen Quellwassern hat Erfurt weithin bekannt gemacht. Sie wurde früher per Express bis nach Paris geliefert. Im Kressepark erfährt man mehr. Weiter geht´s! Wassermänner und -frauen erwartet südöstlich der Stadt bereits die nächste Erfrischung.

Hohenfelden – Erfrischender Kurzurlaub

Pack die Badesachen aus, denn jetzt geht´s raus, und zwar ins mittlere Ilmtal an den Stausee Hohenfelden. In dem 40 Hektar großen Erholungs- und Urlaubsparadies mit Strandbad, Bootsverleih und Avenida-Therme erlebt man Wasser in allen Aggregatzuständen. In der Holzofen- und Kräutersauna oder der mallorquinischen Dorf- und Saunawelt kommt der Besucher ordentlich ins Schwitzen. Im erfrischenden Tauchbecken werden Geist und Körper quicklebendig. Probieren wir nun die überraschenden Erlebnisduschen aus. In der Schneehöhle kann man minus 15 Grad auf der Haut fühlen und in der Wellnessoase bei Massagen, Wohlfühlbädern oder einem Cocktail den Tag Revue passieren lassen. Neu belebt wie nach einem Kurzurlaub geht es auf dem 123 Kilometer langen Ilmtal-Radweg weiter. Natur- und Kulturerlebnisse sind für die Radler wie Perlen aufgefädelt, beispielsweise die Zwei-Burgen-Stadt Kranichfeld. Noch einmal kräftig in die Pedale getreten, noch ein Schluck aus der Wasserflasche und schon haben wir unser nächstes Etappenziel erreicht.

Bad Berka – Rundum gesund

Auftanken kann man hier auf viele Weise. Zuerst füllen wir am historischen Goethebrunnen unseren Wasservorrat auf – kalziumsulfathaltiges Quell- und Heilwasser aus 38 Metern Tiefe, um dann statt in die Pedale Wasser im Kneipp-Becken zu treten. Wer mag, kann gleich noch den neun Kilometer langen Rundweg auf den Spuren von Pfarrer Kneipp und seinen Gesundheitslehren anschließen. Durch den herrlichen Dammbachsgrund geht es an sprudelnden Waldquellen, Gottesbrünnlein und zahlreichen Natur-Kneippbecken vorbei. Bad Berka, abgeleitet von „Birken im Wasser“, bezeichnet sich auch als „Goethe-Bad im Grünen“ und wurde vom Herrn Geheimrat höchstpersönlich gelobt: „Wie gut, daß die Heilwasser von Berka […] sich in der Nähe eines wohlgelegenen Städtchens befinden!“ Das Museum im historischen „Badegesellschaftshaus“ erzählt aus den 200 Jahren Badegeschichte(n). Aufgesattelt, es geht weiter!

Weimar – Wenn alle Brünnlein fließen …

Zur Klassikerstadt passt natürlich ein Goethe-Zitat: „Alles ist aus dem Wasser entsprungen! Alles wird durch das Wasser erhalten!“ Am Marktbrunnen begrüßt uns der Meeresgott Neptun aus Berkaer Sandstein höchstpersönlich. Als Bezwinger der Winde und Wogen mahnt seine Inschrift: „Quos ego!“ – „Euch werd ich!“ Viele historische Brunnen haben sich als Zeugnisse der Vergangenheit zur Versorgung mit dem lebenswichtigen Nass und als Orte der Kommunikation erhalten. Einige speisen sich aus kühlen Laufquellen und bieten im Sommer mitten in der Stadt eine erfrischende Oase und bilden im Winter mitunter skurrile Eisgebilde. Ein Weimarer Apotheker und Tierfreund des 19. Jahrhunderts hat sogar einzelne der städtischen Brunnen mit separaten Hundetränken ausstatten lassen. Außer Neptun trifft man noch auf weitere Wasserwesen: den Delphinbrunnen, den Froschbrunnen oder den Muschelbrunnen. Für eine individuelle Entdeckungstour gibt es in der Tourist Information am Markt einen speziellen Faltplan. Im Geiste erquickt, löschen wir noch den Durst mit der Traditionsmarke Ehringsdorfer Biere. Auf eine wechselvolle 175-jährige Geschichte zurückblickend, ist sie heute wieder bei allen Stadtfesten dabei. Das flüssige Gold kann man sich ferner bei Führungen, Seminaren und im Brauerei-Museum einverleiben. Ein Ehringsdorfer Radler, leicht und erfrischend zugleich, weckt schließlich müde Geister, denn nun heißt es: „Volle Bierkraft voraus!“ Es lohnt sich, den Feininger-Radweg zu erkunden. Auf den Spuren des amerikanischen Malers Lyonel Feininger, der mit Aquarellfarben, Tusche und Bleistift in den Thüringer Dörfern seine Lieblingsmotive entdeckte, findet man schnell eigene. Nur, dass wir heute die schnelleren (Foto-)Künstler sind. Uns führt der Ilmtal-Radweg weiter an Schloss und Park Tiefurt vorbei, lässt das Wielandgut in Oßmannstedt hinter sich und lockt 2017 zu einem Besuch der Thüringer Landesgartenschau nach Apolda. Nächste Rast: Goethes Gartenhaus II.

Bad Sulza – Flüssige Klangwelten

Natürlich ist es „nur“ die originalgetreue Weimarer Kopie, die seit der Jahrtausendwende hier ihren exklusiven Platz gefunden hat. An den Wasserlandschaften der Toskana-Therme gleich nebenan kommen wir nicht vorbei. Hier heißt es Ohren auf und unter Wasser beim Liquid Sound neue Klangwelten erleben. Scheinbar schwebend kann man die Seele baumeln und die Gedanken in die Ferne fliegen lassen. Das Solewasser muss man probiert oder mindestens im Gradierwerk wandelnd eingeatmet haben. Gestärkt geht es am nächsten Tag auf die letzte Etappe mit Zwischenstopp in Sonnendorf. Der Name sagt alles: Sonne im Herzen und Wein im Glas. Seit über 1.000 Jahren spendieren die wärmeverwöhnten Hänge schmackhaften Rebensaft. Richtig, Thüringen ist auch Weinland! Schließlich biegen wir in Kaatschen-Weichau auf den Saale-Radweg ab.

Jena – SaaleParadies

Wild und verträumt liegt eine familienfreundliche Strecke vor uns. „Stolz und kühn“ grüßen die vielen Burganlagen „an der Saale hellem Strande“ von ihren Höhen herunter. Eben noch die herrlichen Dornburger Schlösser bewundert und die Ruine der Kunitzburg bestaunt, empfängt uns bereits die quicklebendige Universitätsstadt Jena. Doch hier wird nicht nur gearbeitet und studiert, sondern auch gelebt und der eine oder andere Durst bekämpft. Schließlich geht probieren über studieren! Vielsprachig ist das Stimmengewirr in der urigen Wagnergasse, einer beliebten Kneipenmeile. Schon seit über 450 Jahren zieht die Stadt Studenten aus vielen Ländern an die traditionsreiche Salana. Verschmitzt besangen die Burschen im 19. Jahrhundert ihre geistige Heimat: „Mein Jena, du sollst leben, sollst reichen Stoff uns geben, du bist ein Bierkanal.“ – Apropos, die Traditionssorten „Burschenpils“ und „Schellenbier“ erfreuen sich wieder großer Beliebtheit. Entdeckungstouren in und an der Saale bieten für jeden etwas: Zum einen ist die Lichtstadt ein Paradies für Wanderfreunde, nicht nur der SaaleHorizontale entlang, zum anderen feiern Einwohner und Gäste mitten in den idyllischen Flussauen ihre bunten Feste und vom Boot aus lassen sich ganz neue Perspektiven entdecken. Eine feste Größe im sommerlichen Veranstaltungskalender der Stadt ist die KulturArena. Interpreten aller Kontinente finden bei Musikliebhabern aller Generationen ihr begeistertes Publikum. Ganzjährig erfrischt das restaurierte Volksbad – unweit der Saale gelegen – mit seiner umfunktionierten Badehalle als Ver­anstaltungssaal die Herzen. Für den Badespaß sorgt mittlerweile das moderne Freizeitbad GalaxSea. Und in der Saison sind die Frei- und Naturbäder, wie der Schleichersee mit Strandbar und Beach­volleyballanlage, gut besuchte Orte für Freiluft- und Wasserfreunde. Lassen wir uns abschließend an der Uferpromenade der Camsdorfer Brücke nieder, genießen nochmal die schönen Eindrücke der Reise und stärken uns mit guter Thüringer Küche. In der leeren Wasserflasche werden herzliche Grüße an einen unbekannten Empfänger deponiert und der „Wasserpost“ übergeben. Wo sie wohl wieder auftaucht? Und wann? Rekord sind derzeit 108 Jahre!

Der Mensch bedarf des Menschen sehr

Zu seinem großen Ziele.

Nur in dem Ganzen wirket er,

Viel Tropfen geben erst das Meer,

Viel Wasser treibt die Mühle.


Friedrich Schiller



Radfahrer vor der Krämerbrücke in Erfurt

Erfurt Tourismus und Marketing GmbH, F: Reinhard Lemitz

Kneippbecken Bad Berka

Christian Hill, F: Christian Hill

Ilmtal-Radweg, Sternbrücke Weimar

weimar GmbH, F: Ralph Kallenbach

Toskana Therme Bad Sulza

Ollertz&Ollertz, F: Wolfgang Fallier

Mitten in Jena liegt das „Paradies“ mit seinem „Strand“

JenaKultur, F: J. Hohmuth|zeitort.de

Erlkönig, Jena

JenaKultur, F: J. Hohmuth| zeitort.de

Wissen to go

Wasserburg

Mitten im Weimarer Land liegt mit der Wasserburg Kapellendorf eine museale Exklave der Stadt Erfurt. Die Begründung? Ganz einfach: Im 14. Jahrhundert war ein Burggraf so klamm bei Kasse, dass er die Anlage kurzerhand an die reichen Erfurter verkaufte.

Strandkorbwetter

Vor 250 bis 200 Millionen Jahren lag Jena am Rand eines Meeres. Durch Ablagerungen von Sand- und Muschelbänken in einer Lagune entstanden die heutigen Gesteinsschichten aus Muschelkalk und Buntsandstein.

Wassermassen

Die „Thüringer Sintflut“ vom Mai 1613 hat sich vielerorts in die Chroniken eingeschrieben. Allein in Erfurt, Weimar und Apolda wurden 177 Häuser zerstört.

Brückenschlag

Im 19. Jahrhundert drohte ihr noch der Abriss. Heute ist die Erfurter Krämerbrücke die einzige vollständig bebaute und bewohnte Brücke Europas.

Wasserzeichen

An historischer Stelle wölbt sich die Camsdorfer Brücke über die Saale. Ein Steinkreuz in deren Mitte markierte im Mittelalter die östliche Grenze des Jenaer Gerichtsbezirkes und gleichzeitig die Trennlinie zwischen der Landgrafschaft Thüringen und der Markgrafschaft Meißen.

Blaue Extra-Tipps

Weimarer Land

Übernachten auf dem Wasser im Schwimmenden Hüttendorf Eberstedt

Erfurt

Mehr Informationen zu City-Kanutouren unter www.erfurt-tourismus.de
www.bewegen-ev.de

Jena

„Der Strand22“ liegt mitten im Jenaer Paradies www.derstrand22.de

Weimar

Das Ochsenauge im Park an der Ilm

Aktuelle Veranstaltungen
Erfurter Oktoberfest

Erfurter Oktoberfest

22.09.2017–08.10.2017
Erfurt

Ikonen der Leinwand

Ikonen der Leinwand

24.09.2017–17.12.2017
Weimarer Land

Apoldaer Zwiebelmarkt

Apoldaer Zwiebelmarkt

29.09.2017–01.10.2017
Weimarer Land

NAUTILUS – Muscheln, Schnecken und Mollusken in der Fotografie der Moderne

NAUTILUS – Muscheln, Schnecken und

07.10.2017–31.12.2017
Erfurt

Buchdruck und Reformation

Buchdruck und Reformation

09.10.2017–17.11.2017
Weimar

364. Zwiebelmarkt Weimar

364. Zwiebelmarkt Weimar

13.10.2017–15.10.2017
Weimar

Obstmarkt

Obstmarkt

21.10.2017
Weimarer Land

16. Lichtbildarena

16. Lichtbildarena

03.11.2017–05.11.2017
Jena

16. Liquid-Sound-Festival

16. Liquid-Sound-Festival

03.11.2017–05.11.2017
Weimarer Land

26. Bad Sulzaer Musiktage

26. Bad Sulzaer Musiktage

03.11.2017–11.11.2017
Weimarer Land