Dreieck
Echt Spitze

 

Man muss es nicht gleich auf die Spitze treiben, denn in diesem Kapitel sind aller guten Dinge vier. Spitze sind diese Personen aus Erfurt, Weimar, Jena und dem Weimarer Land allemal. Wo Spitzenideen entstehen, da ist Spitzenleistung nicht weit! Wer will da noch die Ecken zählen?

Interview

Kreativer Kopf
einer Ideenschmiede

Fragen an Jonas Zipf / Werkleiter JenaKultur

Thüringenweit steht das Jahr 2019 im Zeichen des Bauhauses. Ganz klar, dass mit der viel zitierten nachbarschaftlichen Nähe zum Gründungsort Weimar auch Jena ins Rampenlicht rückt. Womit?

Im Kontext des Bauhaus-Jubiläums beschäftigen wir uns damit, was aus dem Bauhaus geworden ist. Wir inszenieren die Nutzung und Funktionalität erster und prägender Bauhausbauten, wie etwa der Villa Auerbach oder des Jenaer Stadttheaters. Wir beschäftigen uns außerdem mit der Leuchtreklame eines Walter Dexel und dem Traum der architektonischen Moderne, serieller Architektur à la Plattenbau, aber auch damit, was mit dem gedanklichen Bauhaus-Erbe in Zukunft noch anzufangen ist.

Jena ist Lichtstadt und strahlt mit seinen Ideen und kreativen Köpfen auch in die Impuls­region aus. Welche Events 2019 zeigen dies am deutlichsten?

Hier möchte ich exemplarisch zwei Sonder­projekte herausstellen. Erstens die Verleihung und Realisierung des Botho-Graef-Kunstpreises der Stadt Jena zu Ehren Eduard Rosen­thals. Unter dem Titel Das verschwundene Bildnis beschäftigen sich sieben international re­nommierte bildende KünstlerInnen mit dem Vermächtnis des Jenaer Bürgers, Mäzens, Juristen und Politikers Eduard Rosenthal. Als Ergebnis soll ein ‚dezentrales Denkmal‘ mit Standorten in Erfurt, Weimar und Jena präsentiert werden. Zweitens den Echtzeit-Architektur-­Wettbewerb 72 Hour Urban Action vom 2. bis 5. Mai in Lobeda-West. Hier werden 60 LobedaerInnen gemeinsam mit 60 Frei­wil­ligen aus aller Welt in 72 Stunden zehn fliegende Bauten errichten und damit zehn städtebauliche Probleme lösen. JenaKultur kooperiert dabei nicht nur mit regionalen und internationalen Akteuren, sondern auch mit diversen städtischen Playern, wie den Wohnungsbaugesellschaften Carl Zeiss WG und jenawohnen, der IBA Thüringen, der Bauhaus-Universität Weimar und vielen anderen.

Ganz kurz gefragt:
Worin ist Jena echt spitze?

Vielfalt, Zivilgesellschaft und Innovations­freude!

Veranstaltungstipp:
Die Konzerte unseres neuen General­musikdirektors Simon Gaudenz und der Jenaer Philharmonie.


Website: www.jenakultur.de

Steckbrief

Ausschließlich
Spitzenrollen!

Drei Fakten zu Ute Wieckhorst / Schauspielerin und Schauspieldozentin aus Weimar

Ausgebildet — Von 1994 bis 1998 studierte Ute Wieckhorst erfolgreich an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Bereits während des Studiums spielte sie am Berliner Maxim-Gorki-Theater.

Filmreif — Seit 1998 steht Ute Wieckhorst auch vor der Kamera. Einem breiteren Publi­kum ist sie als Gerichtsmedizinerin Dr. Seelenbinder aus dem Weimarer Tatort bekannt geworden. Da hat sie es schon mal mit vom Seziertisch fliehenden Leichen zu tun oder im apokalyptischen Kinofilm Endzeit mit Zombies.

Historisch — Geschichtliche Rollen liegen ihr. Bereits in der eigenen Produktion Luther und die Frauen – Nur der Glaube zählt schlüpfte sie in die Rolle der Ave von Schönfeld, aber auch Goethes Frauen oder emanzipierte Bauhaus-Künstlerinnen setzt sie eindrücklich in Szene.

Veranstaltungstipp:
Ab 2019 ist das 30minütige brandneue Theaterstück Die Bauhaus-Frauen Benita Otte und Gunta Stölzl – zwei Besessene des Webens für Gruppen über die Tourist-Information Weimar buchbar.


Website: www.weimar.de/bauhaus

Quiz

Spitzenpreise
für Dorfkirchen

Fragen und Antworten zu Lyonel Feininger (1871-1956) / Maler, Grafiker und Karikaturist

Der Deutsch-Amerikaner gehört zu den bedeutendsten Künstlern der Klassischen Moderne. Als erster Bauhaus-Meister wurde er 1919 von Walter Gropius nach Weimar berufen. Auch mit Erfurt war er verbunden. Hier hatte er seine ersten Einzelausstellungen, kurzzeitig ein Atelier und einen wichtigen Mäzen. Wer ist es?


A)   Der jüdische Schuhfabrikant Alfred Hess
B)   Der deutsche Schriftsteller Alfred Döblin

Weltberühmt geworden sind seine Bilder von Kirchen und Ortsansichten, wie Mellingen, Vollersroda oder Zottelstedt im Weimarer Land. Zwischen 1906 und 1937 begab er sich hier immer wieder auf Motiv­suche. Auf welchen Preis kletterte sein Gemälde Gelmeroda XI (1928) bei einer Auktion und konnte durch die Klassik Stiftung Weimar gesichert werden?


A)   1.666.000 Euro         
B)   10.666.000 Euro

„Mystisch“, „monumental“, „prachtvoll“ sind nur einige bewundernde Worte, die Feininger für seine „Kirchen in gottverlassenen Nestern“ fand. Welche außergewöhnliche Skulptur zeigt heute der Ort Mellingen?


A)   Die überdimensionierte Nachbildung eines zerknüllten Butterbrotpapieres mit Bleistiftskizzen, welches Feininger bei seiner Skizzentour 1910 einem verdutzten Mellinger Einwohner in die Hand drückte.
B)   Einen über 25 Meter hohen Rohr- und Stangenturm in den typischen Bauhaus-Farben, der  dreidimensional verdeutlicht, was Feininger aufs Papier brachte.


Ausflugstipp:
In unzähligen Blättern und Techniken avancierte die Kirche in Gelmeroda (seit 1994 ein Ortsteil der Stadt Weimar) zu einem Hauptmotiv in Feiningers kubistischem Werk, selbst dann noch, als er längst in New York lebte. Die Thüringer Dorfkirche zieht nicht nur als erste, stets geöffnete Autobahnkirche Ostdeutschlands Gläubige an, sondern durch ihren hohen Kirchturm und abendlichen Lichtinstallationen auch Blicke auf sich. Sie ist eine Station des 28 Kilometer langen Feininger-­Radweges, der mit seinen Glasaufstellern die Motive Feiningers zum Vergleich mit dem originalen Ort anbietet.

Website: www.weimarer-land-tourismus.de/de/aktiv/radfahren/feininger-radweg/

Story

Textile
Spitzenergebnisse

Erinnerungen am Webstuhl an Margaretha Reichardt (1907–1984) / Textilgestalterin aus Erfurt  

Unlösbar sind die Fäden ihres Lebens mit Erfurt verbunden. Anlässlich der 1. Internationalen Gartenbauausstellung (iga) 1961 huldigt sie in einem großen Gobelinmotiv ihrer geliebten Garten- und Geburtsstadt Erfurt. Den Vordergrund bildet in kräftigen Farben die markante Silhouette des Dombergs, den Hintergrund das bunte Gelände des heutigen egaparks. Eine eingewebte Liebeserklärung – hat sie doch zuvor mehrere Angebote für Professuren in Hamburg, Kassel und München abgelehnt. Doch von vorn! Als einzige Tochter des Schneidermeisters und Küsters an der Kirche St. Severi geboren, absolvierte sie ab 1921 eine vierjährige Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Erfurt, bevor sie 1926 zum viereinhalbjährigen Studium an das Bauhaus in Dessau wechselte. Hier machte sie schnell mit außergewöhnlichen Ideen, Material­experimenten und Präzision in der Arbeit auf sich aufmerksam. Das Bauhaus-­Diplom Nr. 54 als Textilgestalterin in der Tasche, eröffnete sie eine eigene Hand­weberei in Erfurt. Preisgekrönt kehrten ihre Entwürfe von Ausstellungen in Paris (1937) und Mailand (1939) zurück. Auch nach 1945 beteiligte sie sich an internationalen Ausstellungen, erhielt zahlreiche Designpreise und vier Jahre vor ihrem Tod den Kunstpreis der DDR. Da hatte sie sich bereits engagiert für das Bauhaus-Erbe eingesetzt und im Sinne der wegweisenden Architektur- und Designschule unzählige Schüler unterrichtet. Das Angermuseum Erfurt würdigte in Kooperation mit dem Kunsthaus Apolda Avantgarde bereits 2009 die große Textil­designerin mit einer Personalausstellung. Darin wurde auch ein neunteiliges Werk bestehend aus Bild­teppichen (u. a. Der Faustische Mensch) für das Deutsche Natio­nal­theater Weimar präsentiert. Ein anderer ­Wandteppich zeigte die latei­nische Rede­­wendung „De gustibus non es ­disputandum!“ (Über Geschmäcker kann man nicht streiten!). Margaretha Reichardt wusste, zu beweisen ist es nicht, dass ein bestimmtes Geschmacks­empfinden das richtige sei. Gerade die Fülle der unterschiedlichen Vorstellungen und Gefühle beim Betrachten von Kunst ist das Spannende an ihr.

Kulturtipp:
Als Außenstelle des Erfurter Angermuseums gehört das 1939 errichtete Wohn- und Künstlerhaus Margaretha Reichardts in den reichen Kulturfundus der Landeshauptstadt. Hier können nach Voranmeldung die originalen Wohnräume besichtigt und Einblicke in die Kunst des Handwebens genommen werden.


Website: www.kunstmuseen.erfurt.de


Auflösung Quiz: 1A, 2A, 3B