Quadrat
Um die Ecke gedacht

 

Über die Quadratur des Kreises haben schon die alten Griechen nachgedacht. Aber warum sich bei einem unlösbaren Problem unnötig den Kopf zerbrechen? An Unmöglichkeiten verschwenden ein Philosoph, ein Architekt, eine Autorin und ein Medienkünstler erst gar keine Gedanken, sondern gehen neue Wege. Ihr Motto: um die Ecke denken.

Interview

Vordenker der Moderne

Fragen an Friedrich Nietzsche (1844–1900) / Philosoph und Schriftsteller

Herr Nietzsche, Sie sind ja schon lange tot, aber Ihre Philosophie wird noch immer diskutiert und weitergedacht. Hätten Sie dies vermutet?

Ehrlich? Ja, ich habe es gehofft! Als ich einst in meinen Schriften den Wert der Wahrheit in Frage stellte, habe ich nicht geahnt, dass ich damit zum Wegbereiter postmoderner philosophischer Ansätze werde. Dies betrifft auch meine Konzepte vom „Übermensch“, des „Willens zur Macht“ oder der „Gott-ist-tot-Debatte“. Schade, dass ich nicht mehr persönlich in die Interpretationen eingreifen kann.

In Weimar sind Sie gestorben, mit Jena verbinden sich ebenfalls biographische Berührungspunkte und an der Erfurter Universität gab es 2017 eine internationale Fachtagung „Nietzsche als anthropologischer Denker“. Fühlen Sie sich im Kulturraum der Impuls­region verwurzelt?

Durchaus! In Weimar wird meiner Person mit dem musealen Nietzsche-Archiv oder den Gesprächskreisen des angegliederten Kollegs vielfach gedacht. Mit Jena verbinde ich die wunderbare Landschaft im Saaletal, wo ich 1859 als Pennäler auf einem „Blumenteppich, der sich wie eine silberne Schlange hinschlängelte, zur schön gelegenen Universitätsstadt“ wanderte. Und dass man an der altehrwürdigen Universität Erfurt meine philosophischen Ansätze diskutiert, lässt mich leichenblass erröten.

Ganz kurz gefragt:
Ist die Quadratur des Kreises möglich?

Ich glaube nein, aber fragen Sie da lieber einen Mathematiker! Ich habe mich ja viel mit Moral beschäftigt, daher wäre die passendere Frage: Darf man Kreise quadrieren? Und die klare Antwort: Das muss man die Kreise fragen!

Veranstaltungstipp:
Ab dem Eröffnungswochenende für das Neue Museum Weimar (06. & 07.04.2019) wird die Ausstellung Van de Velde, Nietzsche und die Moderne um 1900 herausragende, internatio­nale Werke des Realismus, Impressionismus und Jugendstils präsentieren.


Website: www.klassik-stiftung.de

 

Steckbrief

Visionär für alte Fundamente

Drei Denkmalprojekte von Gerhard Schade / Architekt aus Erfurt

Geschützt — Der Dom St. Marien zu Erfurt ist ein Wahrzeichen der Stadt. Als Spezialist für historische Gebäude zeichnet sich Gerhard Schades Handschrift durch Sensibilität, moderne Ästhetik und Funktionalität aus. In zwanzig Jahren hat er bei einer Vielzahl von Einzelprojekten die Sanierung betreut. Am anspruchsvollsten waren die Sicherung der romanischen Türme und die Restaurierung des Hohen Chores von der neuen Schieferdeckung bis zum Chorgestühl, das in Teilen erstmalig seit 1370 abgebaut wurde.

Geholfen — Heute ist das restaurierte Renaissance­portal des Erfurter Hochzeitshauses Haus zum Sonneborn mit der neuen Tür wohl eines der am häufigsten fotografierten Details der Stadt. In der DDR lag die Restaurierung zunächst auf politischem Eis. Der katastrophale Zustand führte schließlich doch zum Beginn der Arbeiten und letztendlich zum Erhalt der wertvollen denkmalpflegerischen Bauteile. Abenteuerlich wurden dabei im Tauschgeschäft aus Rostock vom Schiffbau Messingrohre für die neuen Leuchten beschafft.

Gerettet — Funktionale Ertüchtigung für die Zukunft steht über der Restaurierungsgeschichte des 900 Jahre alten Gebäudes der Alten Synagoge in Erfurt. Nach der schritt­weisen Sicherung ab 1992 und der Nutzungs­festlegung 2004 wurde die Restaurierung besonders sensibel in Angriff genommen. Galt es doch, alle historischen Details möglichst unverfälscht zu er­halten. Dies erforderte auch neue Lösungen für den Einsatz der nötigen Technik, um die alte Bausubstanz bestmöglich und nachhaltig zu erhalten.

Erfurter Geheimtipp:
Um viele historische Erfurter Schönheiten zu entdecken, empfiehlt sich der Zeitraum vom 3. bis 8. September 2019 rund um den Europäischen Tag des offenen Denkmals mit einer Vielzahl von besonderen Führungen in bekannten Museen wie der Alten Synagoge, aber auch zu Orten, die der Öffentlichkeit sonst verschlossen sind.


Website: www.juedisches-leben.erfurt.de

Quiz

Literatur im Quadrat

Wortspiele mit Nancy Hünger / Autorin und Mitarbeiterin in Schillers Gartenhaus

Das Gartenhaus Schillers befindet sich als Gedenkstätte an der Schnittstelle zweier Jenaer Universitätstraditionen, der philosophisch-künstlerischen und der naturwissenschaftlich-technologischen. Dort betreut Nancy Hünger eine hochkarätig besetzte Veranstaltungsreihe, die Lyrik der Gegenwart in Lesungen und Werkstattgesprächen präsentiert. Wie heißt diese?


A)   Die Gunst des Augenblicks
B)   Die Muse der Woche

Nancy Hünger ist in der Impulsregion zu Hause. Nach Kindheit und Studium in Weimar, lebt sie jetzt in Erfurt und arbeitet in Jena. Daher steht sie auch für die landesweiten Thüringer Literatur- und Autorentage. Wie heißt der Verein dahinter?


A)   Lese-Zeichen e. V., der als weiteres  Projekt den Literarischen Salon in der Villa Rosenthal in Jena bespielt
B)   Aktion ABC e.V., der sich in Aktionen für eine bessere Lesekompetenz bei Schülern einsetzt

Als Autorin hat sie bereits einige Preise und Auszeichnungen erhalten, darunter das Hermann-­­­Lenz-­Stipen­­dium und den Caroline-­Schlegel-­För­derpreis der Stadt Jena. Wie heißt ihr letzter Gedichtband, der viele Register deutschsprachiger Gegenwartslyrik zieht?


A)   Mehr Sprache geht wirklich nicht
B)   Ein wenig Musik zum Abschied wäre trotzdem nett

Kulturtipps von Nancy Hünger:
1. Druckmittel? Ganz genau, weil die Publikationsreihe „Lichtblicke. Jenaer Schriften und Vorträge“ ganz im Sinne Schillers zum Nachdenken anregt. / 2. Abstellgleis? Nein, angesagt ist der Erfurter Tanz-Club Frau Korte nach seinem Einzug im Erfurter Nordbahnhof. Lesungen und Workshops bereichern ein vielgestaltiges Programm. / 3. Novemberblues? Nein, die Weimarer Lyriknacht mit Jazz ist eine immer sehr gut besuchte Veranstaltung in Kooperation verschiedener Gesellschaften, wie des Lese-­Zeichen e. V., der Jazzmeile Thüringen e. V. und der Stadt Weimar.


Website: www.uni-jena.de/Gartenhaus.html

 

Story

Besuch beim Unterwasser-Impresario

Ein Tauchgang mit Micky Remann / Medienkünstler und Kulturdirektor der Toskanaworld Bad Sulza

Es herrschte graues Herbstwetter, als das Leben Micky Remann 1993 beruflich aus der Finanzmetropole Frankfurt am Main in die Thermenstadt Bad Sulza verschlug. Er kam, sah und verliebte sich in die Gegend. Schmunzelnd erzählt er heute, wie seine urbanen Freunde stutzig wurden, als er nicht wieder zurückkehrte. Sorgenvoll meinten sie, ihn als „Bademeister des Ostens“ verloren zu haben. Doch auch nach über 25 Jahren fühlt er sich in seiner liebgewonnenen Wahlheimat – der Toskana des Ostens – pudelwohl. Von seinem Ausgangspunkt, dem „Weltdorf Auerstedt“, wie er es liebevoll nennt, hat er das reißverschlussartige Zusammenwachsen der Region erlebt und kulturell mit geprägt: ein „ländlich-futuristischer Kulturraum“. Schließlich liegt Auerstedt, auch geographisch, zwischen zwei seiner Wirkungsstätten, an der Kulturachse Weimar-Jena. Vielfältig ist der Schriftsteller, Weltreisende, Kurator, Medienkünstler und Honorarprofessor für Medienkunst und Mediengestaltung an der Bauhaus-Universität Weimar aufgestellt. So zeichnet er für das Apoldaer Weltglockengeläut mitverantwortlich. Dabei wird er nicht müde zu betonen, dass die Kreisstadt mit Stolz auf ihre Tradition als
bedeutender Glockengießer-Standort zurückblickt, dabei jedoch nicht den Blick nach vorn verpasst und ihr unverwechselbares Klangspektrum zu Gehör bringt. Dies darf ruhig an die große ­Glocke gehangen werden! Während seines „Dauerbesuches in Thüringen“ seit 1993 hat er sich über die Landesgrenzen hinaus mit dem von ihm kreierten einzigartigen Licht- und Ton­erlebnis Liquid Sound in der Toskana Therme Bad Sulza einen Namen gemacht. Den „Bademeister des Ostens“ versteht er inzwischen als Ehrentitel, seit seine Freunde aus aller Welt regelmäßig zum Baden in Licht und Musik nach Bad Sulza pilgern.

Veranstaltungstipps von Micky Remann:  
1. Kulturvolles Abtauchen in lausiger Jahres­zeit: Liquid Sound Festival in der Toskana Therme Bad Sulza am 1. und 2. November 2019 / 2. Weltumspannender Blick nach oben: Die Globale 360-Grad Bauhaus-Oper zum FullDome Festival im Zeiss-Planetarium am 22. Mai 2019 in Jena


Website: www.toskanaworld.net


Auflösung Quiz: 1A, 2A, 3B