Genussvoll!


Salzig liebt bitter!  

Irgendetwas fehlt noch? Richtig, eine kleine Prise Salz! Es braucht nicht viel davon, hebt aber jedes Gericht im Geschmack. Denken wir nur an das Thüringer Magenpflaster, den Kartoffelkloß, einen würzigen Ziegenkäse oder ein knuspriges Fettbrot: alles ohne Salz undenkbar! Und ohne einen Hauch von Bitter sind Bier- und Kaffeegenuss nicht vollkommen. 

Hintergrundgeschichte


Thüringer Klöße

Schon lange sind sie das kulinarische Markenzeichen des Freistaates. Die Thüringer Küche bekennt sich zu ihrem Exportschlager, dem Kartoffelkloß, klassisch aus rohen und gekochten Kartoffeln. Dabei tritt er in der Würze bescheiden zurück und lässt Gänse-, Sauer- oder Topfbraten, sowie Wildgerichten den Vortritt. Oft kopiert, werden doch die besten Klöße im Heimat­land aufgetischt. Seit 1680 ist der Kartoffel­anbau in Thüringen nachgewiesen. Aber erst Herzog Ernst August von Sachsen-Weimar befahl 1738 den großflächigen Anbau von „Erdtuffeln“ zur Wildschweinfütte­rung. Im Hungerjahr 1757 rückten sie dann zur mensch­lichen Nahrung auf und im späten 19. Jahrhundert galt eine Thüringerin erst dann als heirats­fähig, wenn sie drei Sorten Klöße zubereiten konnte. Schließlich hieß es überall: Sonntag ist Kloßtag!

Seitdem hat der Kloß hier nicht nur Heimat, sondern ein ganzes Universum: die Kloß-Welt Heichelheim. Dort, wo man die Begriffe Tradition und Qualität hochhält, kann das Kultobjekt sogar in Übergröße begangen, in Miniaturform bestaunt und natürlich auch genossen werden. Dabei wird selbst der Werksverkauf zum kloßartigen Erlebnis.

Anekdote


Weder ein Tropfen noch ein Krümchen Brot

Seine Erfurter Zeit bei den Augustiner-Eremiten ist legendär, bedeutete doch Martin Luthers Eintritt in das Kloster 1505 einen wichtigen Wendepunkt in seinem Leben. Die Nächte waren kurz, die Tage mit Gebeten, Bibelstudium und Liturgien lang. Selbst die starren Essenszeiten boten keine Abwechslung. Diese wiederum schwankten zwischen schwelgerischer Fülle und karger Kost in den Fastenzeiten. Wenigstens galt Luthers Lieblingsspeise, der gesalzene (Brat-)Hering mit Erbsen, als Fastenkost. Das Mönchlein hungerte aber mehr, als die Ordensregeln vorschrieben. „Ich hätte mich bei Zeiten zu Tode gefastet“, resümierte er einmal seine Klosterzeit: „Denn oft nahm ich an drei Tagen weder einen Tropfen noch ein Krümchen Brot zu mir.“ 

Interview


offen gesagt

Interview mit Claudia Kanz und Marcel Appel, Geschäftsführung und Küchenleitung im Braugasthof Papiermühle in Jena

Was bedeutet für Sie Thüringer Küche und Thüringer Gastlichkeit?
Thüringen zeigt und gibt gern, was es hat. Der eingefleischte Thüringer is(s)t gern deftig und es darf dann sogar „Tote Oma“ heißen …

Wenn Jena eine Speise oder Getränk wäre, dann ...
Als Speise wäre Jena auf den ersten Blick eher herzhaft und am ehesten ein Hauptgericht. Auf den zweiten Blick bestünde es aus mehreren Gängen, die man sich aber selbst erst zusammenstellen müsste. Alles hätte verschiedene Zutaten und Geschmacksrichtungen, sowohl erwartete als auch unerwartete. Manches würde auf der Zunge zergehen, anderes müsste man vom Knochen nagen.  

Unter der Rubrik „Sauer macht lustig!“ kann man auf unserer Speisekarte Folgen­des finden:
Wenn man das Hausgebraute trinkt, passt fast die ganze Karte in diese Rubrik, vielleicht sollte man Knoblauchbaguette mit Bierchutney erwähnen, Treber­brot mit Kräutersalami und ge­räuchertem Scamorzakäse – oder aber das gebratene Zanderfilet unter einer würzigen Braumalzkruste.

Neue Ideen sind wichtig! Welchen kreativen Impuls haben Sie jüngst in Ihrer Küche umgesetzt? 
Wir gehen zurück zu alten Garmethoden wie Räuchern, Fermentieren, Einlegen und Einkochen. Küchentrends, Thüringen als Landwirtschaftsgebiet und unser Gasthof als Brauhaus inspirieren außerdem dazu, mit verschiedenen alten und neuen Getreidearten und Mahlgraden zu experimentieren. 

Kulinarische Geheimtipps


Pssst, weitersagen! leckere Insidertipps

JENA — Das wohl bestversteckte Café in Jena muss man suchen, aber wenn man es gefunden hat, eröffnet sich ein einzigartiges historisches Ambiente. Im „Philisterium“ im Stadtmuseum am Markt kann sich der Gast Geschichte buchstäblich einverleiben, isst von Porzellanrepliken des Künstlers Henry van de Velde oder erfährt gleich die Geschichte zu Blumenröschens Schmalztopf, wenn ein deftiges Brot mit Gewürzschmalz und Gurke aufgetischt wird.

WEIMARER LAND — Thüringer Braukunst durch regionale Qualität pflegt die Vereinsbrauerei Apolda bereits seit 1887. In einer der wenigen selbstständigen, konzernunabhängigen Privatbrauereien Thüringens werden Tradition und Geschmacksinno­vationen groß geschrieben. Das neue naturtrübe Radler „Wanderbursche“ sorgt für eine tierisch gute Erfrischung nicht nur bei Drahtesel-Besitzern oder jenen, die auf Schusters Rappen unterwegs sind. 

WEIMAR — Überall duftet es nach Kaffee, der so herrlich viele Geschmacksnoten besitzt. Im Café-Laden in der Karlsstraße 8 kann man in diese wunderbare Welt eintauchen. „Der Feinschmecker“ prämierte den Café-Laden 2005 zu einem der 250 besten Cafés Deutschlands. Der Nase weiter folgend, darf der nächste Halt die Weimarer Kaffee Rösterei mit ihren hauseigenen Mischungen am Herderplatz 16 sein.

ERFURT — Braumeister Jan Schlennstedt ist der Sprung von der Garage in die Manufaktur gelungen. Im Zughafen fließt unter der Marke „Heimathafen“ nun wieder frischer Erfurter Gerstensaft für alle Liebhaber der goldenen Blume. Sein Bier mit dem Namen „GaBi“ – die Kurzform für Garagenbier – ist eine Hommage an seinen ersten Sud. Süffig!