Genussvoll!


Sauer macht lustig!  

Der Beweis ist leicht erbracht. Erinnern Sie sich, wie die Lachfältchen tanzen, wenn der erste genussvolle Biss in einen fruchtigen Zitronenkuchen getan ist, wenn beim Sonnenuntergang in fröhlicher Runde der trockene Weißwein im Glas glitzert oder ein erfrischender Vanille-Rhabarber-Sirup den Frühsommer einläutet? Noch mehr Überzeugungsarbeit? Lesen Sie weiter!
 

Hintergrundgeschichte


Wein aus der Impulsregion

Tatsächlich, die Impulsregion ist von alters her Rebenland. Bereits die Mönche des Erfurter Klosters Sankt Peter und Paul haben auf dem Petersberg im 12. Jahrhundert ihren Wein angebaut. Heute führt die Erfurter Weinzunft die Tradition der Mönche fort und lädt während des Erfurter Weinfests (6.-9.9.2018) gern auf eine Kostprobe mitten in der Stadt ein. Auch Jena war im Mittelalter als Weinbauernstadt weithin bekannt, bevor es zur Universitäts- und später Industriestadt wurde.

„In Jena kann man viele Sachen, nur nicht aus Essig Wein zu machen!“ – Was Goethe einst über den sauren Wein von der Saale meinte, gilt heute schon lange nicht mehr. Wie allgemein bekannt, war der alte Herr Geheimrat aber dem Wein keineswegs abgeneigt, zumal er schreibt: „Es liegen im Wein allerdings sehr produktivmachende Kräfte sehr bedeutender Art!“ Sicher hätte der Dichter auf dem Weingut Weimar mit Labyrinth, Vinothek und Straußenwirtschaft nähere Bekanntschaft geschlossen. Ebenso mit der Winzergenossenschaft Freyburg, deren edle Weine unter der Marke „Werkstück Weimar“ jedes Jahr zum Weinfest an Goethes Geburtstag verkostet werden können. Daher sollten sich Liebhaber das 29. Weinfest Ende August unter dem Motto „Auf einen Schoppen bei Goethe“ am Frauenplan vormerken.

Und wenige Kilometer der Ilm flussabwärts folgend, kommt man in die „Toskana des Ostens“. Bad Sulza gilt nicht nur wegen seiner Landschaft und exklusiven Therme als solche, auch die Weine von den lieblichen Hängen schmecken nach südlicher Sonne. Dann, ein herzliches Prosit auf die Impulsregion und ihre Weinvielfalt.

Anekdote


Sauer macht mürrisch

Bei den legendären Weimarer Tafelrunden von Anna Amalia wurde nicht nur den Künsten, sondern auch dem Bauch gehuldigt. Johann Wolfgang von Goethe soll nicht immer zufrieden mit dieser „Stammtafel der Klassik“ gewesen sein. Schuld war der französische Leibkoch der Herzogin, servierte er doch sehr oft „typisch deutsche Gerichte“. Wenn Goethe zu den erwartenden Speisen befragt wurde, orakelte er: „Was schon, Sauerkraut wird es geben!“ Eines Tages saß er mürrisch vor seinem Teller Kohl. Als kein Bissen mehr hinunter wollte, blieb nur die Flucht in den Nebenraum. Lesegenuss statt Essensfrust sollte ein dort aufgeschlagenes Buch bereiten. Entrüstet trat er nach einer Weile wieder zur Tür herein und ließ verlauten: „Zur Hauptspeise Sauerkraut und noch fünfzehn Seiten schlechte Lektüre zum Nachtisch. Das vertrage, wer will!“

Interview


offen gesagt

Interview mit Johannes Wallner (Küchenchef im Kaisersaal, Sternekoch im Clara Restaurant im Kaisersaal in Erfurt)

Was bedeutet für Sie Thüringer Küche und Thüringer Gastlichkeit?
Bei uns im Sterne-Restaurant, aber auch im gesamten Kaisersaal, wird GASTLICHKEIT groß geschrieben. Vor allem in der Clara verfolgen wir das Ziel, so viele regionale Produkte wie möglich zu verarbeiten. Wir wollen die Thüringer Küche sowie Thüringer Produkte auf eine neue Bühne stellen, die sie auch verdienen.

Wenn Erfurt eine Speise oder Getränk wäre, dann...
Die Erfurter nennt man ja auch Puffbohnen, weil diese Bohnen eine lange Tradition in der Stadt haben. Im vergangenen Sommer hatten wir ein tolles Gericht mit Erfurter Puffbohnen (im Rest des Landes kennt man sie als Saubohnen) auf der Karte – mit Parmesan, Haselnuss, Salbei aus unserem Garten und Lardo. Das wäre Erfurt als Speise für mich. 

Unter der Rubrik „Sauer macht lustig!“ kann man auf unserer Speisekarte Folgen­des finden:
Ichtershäuser Kopfsalat – Bauch vom Mangalica-Schwein, Rhabarber, Radieschen. Hier handelt es sich allerdings um eine milde, angenehme Säure, die mit den anderen Komponenten harmoniert bzw. sie geschmacklich unterstreicht, statt den Gast Grimassen ziehen zu lassen. Fürs Lustige sorgen wir dann lieber selbst.

Neue Ideen sind wichtig! Welchen kreativen Impuls haben Sie jüngst in Ihrer Küche umgesetzt? 
Jedes Gericht auf einer neuen Menükarte entspringt im Grunde einem kreativen Impuls. Es gibt keine Wiederholungen. Wir sind kreativ beim Zusammenspiel der einzelnen Zutaten, beim Inszenieren auf dem Teller, manchmal auch bei der Zubereitungsweise. 

Kulinarische Geheimtipps


Pssst, weitersagen! leckere Insidertipps

JENA —Es weiß noch nicht jeder, dass man Jena von ganz oben betrachten kann. Wer sich die Höhenluft auf dem Jentower um die Nase hat wehen lassen, der darf gern windgeschützt im Turmrestaurant „Scala“ einen guten Schoppen Jenaer Wein genießen.

ERFURT — Unter der Adresse Lange Brücke 12 befindet sich das Weingeschäft mit dem sinnreichen Namen „die Korkenzieherin“. Wer auf der
Suche nach einem guten Wein und Events rund um den Rebensaft ist, der ist hier genau richtig. 

WEIMAR — Sage und schreibe über 100 Sorten Thüringer Blechkuchen gibt es in der Bäckerei Rose, die bereits in der vierten Generation geführt wird und am Herderplatz zu finden ist. Die einzige Fünf-­Sterne-Bäckerei in Thüringen hat natürlich auch süß-­saure Klassiker mit Rhabarber und Zitrone im Angebot, oder macht ausgefallene Torten-Kreationen, wie süße Piratenschiffe und Rennwagen möglich.

WEIMARER LAND — Eine der ersten Adressen in der „Toskana des Ostens“ ist das Weingut Zahn in Kaatschen. Seine Top-Weine machen Veranstaltungen wie Picknick ganz romantisch für Zwei im Weinberg oder Weinprobe mit Mondschein-Schlauchbootfahrt zum unvergesslichen Erlebnis.