Genussvoll!


Scharf bis würzig!  

Wenn das Leben Fahrt aufnehmen soll, braucht es manchmal eine gewisse Schärfe und Würze. Da kommt die knusprig gebräunte Bratwurst mit dem guten Thüringer Senf ganz gelegen. Aber zum nötigen Biss kann auch die Erfurter Brunnenkresse, eine schön geräucherte Wurst oder ein Forellenfilet mit scharfem Meerrettich verhelfen.

Hintergrundgeschichte


Thüringer Bratwurst

Am Bratwurstduft gibt es kein Vorbei. Der Thüringer „Weihrauch“ ist überall zu schnuppern und hat das ganze Jahr Saison, auch wenn es Ende März ein ganz offizielles Angrillen für den Freistaat auf dem Erfurter Domplatz gibt. Und einen offiziellen Geburtstag hat die leckere Wurst auch, den 20. Januar 1404, dem Tag ihrer Ersterwähnung, als wursthungrige Arnstädter Mönche in ihren Abrechnungen Bratwurstdärme listen. Als Thüringer Reinheitsgebot für Brat-, Leber- und andere Würste gilt allerdings eine Weimarer Fleischhauerordnung von 1432. Diese legt neben der Fleischbeschau auch exakt die Zutaten für die Füllung fest. Der Name bezieht sich übrigens nicht auf die Zubereitung am Rost und in der Pfanne, sondern auf den Inhalt der Wurst. Er geht auf das mittelhochdeutsche „Brät“ zurück, was „fein gehacktes Fleisch“ bedeutet. Heute hält jeder Fleischer seine teilweise uralten Rezepte streng geheim. Wo es die beste Bratwurst gibt? Finden Sie es selbst heraus!

Die entsprechende Schärfe gibt es gleich oben drauf. Die Born Senf & Feinkost GmbH liefert als Traditionsunternehmen seit 1820 den Thüringer Klassiker und trumpft immer wieder mit neuen Geschmackszugaben wie Cognac oder Bier auf. Mindestens genau so innovativ sind die Produkte aus der kleinen aber feinen Jenaer Senfmanufaktur oder aus der Historischen Ölmühle Eberstedt. Tipp: Für Anfänger und Fortgeschrittene am Grill organisiert das Team der Erfurt Tourismus und Marketing GmbH zünftige „Thüringer Grillabende“. 

Anekdote


Würzige Grüße aus Jena

Schon lange ist der Fuchsturm – ein mittelalterlicher Bergfried – beliebtes Ausflugsziel der Jenaer Einwohner und seiner Gäste. Zusätzliche Attraktion war um 1900 der sogenannte Volksrost. Allen frei zugänglich bot dieser die Möglichkeit, Thüringer Bratwürste und Rostbrätel zur Stärkung selbst zu grillen. Als im Frühjahr 1902 der Zeissianer und Vorsitzende der Fuchsturmgesellschaft – Fritz Müller – zeitgleich mit dem großen Jenaer Wissenschaftler und Sozial­reformer Ernst Abbe in der Schweiz weilte, erhielt er von seinen Vereinsmitgliedern einen besonderen Gruß. Kunst- und fachgerecht verpackt, erreichte Müller an der Seepromenade von Lugano die Post aus der Heimat: Bratwürste vom Fuchsturm. Beim Auspacken trat zufällig Abbe hinzu, bekam eine Wurst angeboten und schwärmte: „Herr Müller, so gut hat mir eine Bratwurst noch nie geschmeckt.“

Interview


offen gesagt

Interview mit Felix Thomas, Geschäftsführer und Küchenchef im Restaurant Venerius in Eckolstädt / Weimarer Land​​

Was bedeutet für Sie Thüringer Küche und Thüringer Gastlichkeit?
Thüringer Gastlichkeit ist vor allem herzlich! Unsere Gäste sollen sich eine Auszeit vom hektischen Alltag nehmen und begeben sich in einen kleinen Urlaub – entspannt, familiär, persönlich. 

Wenn das Weimarer Land eine Speise oder Getränk wäre, dann ... 
wäre es eine ausgefallene, moderne Variation von Fleisch und Gemüse, weil wir hier im Weimarer Land einfach alles zu bieten haben, was wir zum Zufriedensein benötigen – glückliche Tiere, fleißige Bauern, saftige Wiesen, Wälder und Felder und Köche, die daraus das Beste zaubern und auch mal etwas Neues wagen.

Unter der Rubrik „Scharf bis würzig!“ kann man auf unserer Speisekarte Folgen­des finden:
Da unsere Karte monatlich wechselt, findet man immer wieder neue Highlights darauf. In der aktuellen Saison würde ich in dieser Rubrik unser „Irisches Rin­der­filet, karamellisierter, grüner Spargel, Pfeffer-­­ Hollandaise, lila Kartoffeln“ empfehlen.

Neue Ideen sind wichtig! Welchen kreativen Impuls haben Sie jüngst in Ihrer Küche umgesetzt?
Wir sind ständig auf der Suche nach kreativen Impulsen, da wir unsere Gäste natürlich immer neu überraschen möchten. Da haben wir zum Beispiel unsere Stickstoffanlage, mit der wir Sorbet direkt beim Gast am Tisch herstellen. Wichtig ist, dass man stets seine Augen offen hält, wie man die tollen Produkte aufwerten und neu interpretieren kann, damit der Gast Freude am Essen hat und wir unvergessliche Erlebnisse schaffen können.

Kulinarische Geheimtipps


Pssst, weitersagen! leckere Insidertipps

WEIMAR — Hochprozentig geht es in der Wiegand Manufactur Weimar zu. Mit ihrer kleinen 100-Liter Destille produzieren sie zwei verschiedene Likör- und Gin-Sorten. Der 40-prozentige „Heimatlikör“ hat das Zeug zum Klassiker und verspricht eine feine Melange diverser regionaler Kräuter, gepaart mit exotischen Gewürzen. 

ERFURT — Schon seit 1769 harmonieren Erfurt und Brunnenkresse miteinander. Als Exportschlager war das vitaminreiche Gemüse in aller Munde und selbst Napoleon I. wollte es auf seinem Teller nicht missen. Der rekonstruierte Kressepark in Erfurt ist und bleibt mit seinem Dreienbrunnen-Quellwasser das Original und ein kleiner Geheimtipp.

JENA — Martin Luther liebte eine „reyne, gutte, gemeyne hausspeis“ und beehrte Jena mehrfach. Am historischen Ort, im Hotel „Schwarzer Bär“, gibt es das 4-Gang-Schlemmermenü „Speisen wie zu Luthers Zeiten“. Es stillt den „Bärenhunger“ auf ganz noble Weise. Die mehrfach preisgekrönte Küche des „Bären“ hat Gaumenfreuden des Reformators für heutige Genießer neu interpretiert. Ein besonders beliebter Gaumenkitzel ist das über Buchenspänen geräucherte Forellenfilet mit geriebenem Meerrettich und gebuttertem Landbrot.

WEIMARER LAND — „Musik“, sagt ein britischer Psychologe, „beeinflusst, wie Essen schmeckt!“ Gegessen und musiziert wird zu allen Jahreszeiten. Im Eröffnungskonzert der „Stadt- und Dorfkirchenmusiken im Weimarer Land“ lassen Edwin Ilg & friends Vivaldis Komposition mit scharfen Konturen, gewürzt mit Blätterrauschen, Donner, Sturm und Jagdgeschehen durch die Kirche fegen – ein Leckerbissen für die Sinne, ein Ohrenschmaus!