Genussvoll!


Süß und fruchtig!  

Wer mag es nicht süß? Herrlich, wenn im Frühjahr die Streuobstwiesen ihre Düfte verströmen, wenn bei den Sommer-Highlights der Impulsregion die fruchtige Brause erfrischt, der Herbst auf ein Stück Obstkuchen zu den Märkten einlädt und im Winter der süße Mandelduft von den Weihnachtsmärkten herüber weht. Also, mit Anlauf hinein in das süße, pralle Leben.

Hintergrundgeschichte


Thüringer Blechkuchen

Von Heimweh geplagt, schrieb einst ein Thüringer Bursche aus Amerika an seine Mutter: „Ich vermisse Dich sehr, aber noch mehr deine wunderbaren Kuchen!“ Tatsächlich, hier liebt man die große Vielfalt an herrlich fluffigen, gezuckerten und gebutterten, fruchtigen, aber auch herzhaften Kuchen und bietet sie gern an. Schließlich ist Backen Tradition! Die bekannte Kulturwissenschaftlerin Margarete Braungart formulierte es einmal so: „Der Kuchen gehört einfach zur thüringischen Lebensart wie der Rotwein zu Frankreich, der Tee zu England und der Käse zur Schweiz.“ Kein Fest in Stadt und Land, wo nicht ein gutes Stück fruchtige Süße für Gaumenkitzel sorgt, denn nirgendwo sonst harmoniert der Teufelskuchen so köstlich neben dem legendären Prophetenkuchen.

Aber auch herzhafter Zwiebelkuchen lässt so manchem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Alljährlich kann er auf dem berühmten Weimarer Zwiebelmarkt in armlangen Stücken, noch warm, verzehrt werden. Ebenso huldigt zwischen Zwiebelzopf und Bockbieranstich das Apoldaer Pendant die „Siebenhäutige“.

Anekdote


Wie der Bienenstich zu seinem Namen kam

In der Impulsregion ist der Heimatdichter und Bienenforscher August Ludwig (1867-1951) weithin bekannt. In Hochdorf bei Blankenhain im Weimarer Land geboren, hat er immer wieder seinen Landsleuten „aufs Maul geschaut“. Sein Buch „Bienenstich und andere Thüringer Speise“ erzählt von der Namensherkunft der beliebten Kuchenleckerei: Eines schönen Tages, um den 24. Juni herum, wenn der Honig zum ersten Mal geschleudert wird, holte die für ihre Backkünste geschätzte Alma eine neue Kreation aus dem Dorfbackhaus ab. Der süße Duft von Mandeln und Zucker stieg der neidischen Nachbarin verführerisch in die Nase. Das Rezept wollte sie unbedingt haben.

Gemeinsam mit der Bäckerin nahm sie einen Umweg über die Gärten, um ihr das Geheimrezept abzuschwatzen. Doch auch Bienen wurden in Scharen vom Duft angelockt. Um das wertvolle Backwerk zu verteidigen, schlugen die beiden Frauen wild um sich und vollführten dabei ein hübsches Tänzchen mit den wehrhaften Bienen. Rettung kam vom Besitzer der Tierchen, welcher gerade die Bienenkörbe geöffnet hatte, um ihr süßes Gold zu rauben. Einem Konzertmeister gleich dirigierte er das Volk wohlbehalten zum Stock zurück. – Almas Mann liebte die Kuchen seiner Frau und war für die Namen der Neukreationen zuständig. Spontan kam hier sein Vorschlag: Bienenstich, und dabei blieb es.

Interview


offen gesagt

Interview mit Ines Hauk-Doblenz (Hotelbetriebswirtin, Ernährungsberaterin und Inhaberin von Rosines Backwerkstatt in Weimar)

Was bedeutet für Sie Thüringer Küche und Thüringer Gastlichkeit?
Thüringer Küche bedeutet für mich Bodenstän­dig­keit, regional Typisches und Traditionelles. Die Thüringer Gastlichkeit erlebe und lebe ich herzlich, offen und direkt.

Wenn Weimar eine Speise oder Getränk wäre, dann ...
Weimar ist für mich eine kausale Verbindung zwischen Klassik und Moderne, Freiheit und Konvention, verbunden mit Aufbruch und einem Hauch gesundem Opportunis­mus. Es könnte sehr gut eine Donauwelle sein, leicht, frisch, fruchtig, bei mir Sommer­welle oder Ilmwelle (immer nach Lust und Laune veränderbar durch die Auswahl verschiedener saisonaler Früchte und in Bewegung durch die Wellen der leichten Buttercreme).

Unter der Rubrik „Süß und fruchtig!“ kann man in meinem Angebot Folgendes finden:
… eine vielseitige Auswahl an Kleinge­bäcken, nicht zu süß und davon viele mit einer selbstgemachten, fruchtigen Füllung.

Neue Ideen sind wichtig! Welchen kreativen Impuls haben Sie jüngst in Ihrer Bäckerei umgesetzt?
… leichtere Kuchen und Torten mit weniger Zucker und dafür viel Geschmack durch den Einsatz von Gewürzen (Vanille, Zitrone, Zimt, Ingwer, Chilli, Safran, Kardamom, etc.), auch mal mit Kräutern (Lavendel, Thymian & Co), auch mal mit Vollkornmehlen. So hat die Nascherei noch etwas Gesundes. Je nach Gewürz und Zutaten wirkt das Gebäck anregend, verdauungsfördernd, beruhigend, auch mal aphrodisierend. 

Kulinarische Geheimtipps


Pssst, weitersagen! leckere Insidertipps

JENA — Vom Hanfburger über Sushi to go bis zum Softeis bieten die vielen Foodtrucks entlang der
Johannisstraße und im Bereich der „Neuen Mitte“ eine reiche Auswahl für den großen und kleinen Hunger zwischendurch.

WEIMARER LAND — Wenn 2018 die 6. regionale Genussmesse im historischen Ambiente des Landguts Holzdorf stattfindet, ist sie schon eine Institution in der Region. Also, Termin vormerken wenn man mit leckerem Brot, Wurst, Käse, Honig, Frucht- und Blütenaufstrichen oder Likören aus dem Vollen der regionalen Angebote schöpft. Und gleich noch den Zwischenstopp einplanen, denn ein weiterer süßer Geheimtipp ist das neue Café Ella in der Bahnhofstraße 43 in Apolda. Volle Süßkraft voraus!

WEIMAR — Wie der Name „Café du Jardin“ schon sagt, versteckt sich im Garten des biedermeierlichen Museumsanwesens des Kirms-Krackow-Hauses ein kleines Café, das eine traditionelle, unkomplizierte französische Küche pflegt. Die Kaffeepause lässt sich hervorragend mit einer frischen tarte du jour aus der hauseigenen Patisserie krönen.

ERFURT — Zucker & Zimt sind namensgebend und Programm in der Marktstraße 5 sowie in der Schuhgasse 7. Die Eismanufaktur zaubert mit selbstgemachten Eissorten, inklusive veganem Eis oder Cupcakes ein Lächeln aufs Gesicht. Für besonders Geschmacksabenteuerlustige gibt es die aufregenden Eissorten Möhre-Petersilie und Paprika-Himbeere.